Nucleinsäurechemie in der Pandemie, antivirale Wirkstoffe

cr, Freitag, 08.01.2021, 18:40 (vor 263 Tagen) @ cr

Ein weiterer Bereich, in dem NucleinsäurechemikerInnen zur Bewältigung von Epidemien oder Pandemien, die durch virale Infektionen ausgelöst werden, beitragen, ist der Bereich der antiviralen Wirkstoffe. So gelang es die HIV-Epidemie durch den Einsatz von antiviralen Nucleosid-Analoga entscheidend zurückzudrängen. Auch bei scheinbar harmloseren viralen Infektionen, wie denen mit dem Herpes-Virus, kommen sehr erfolgreich antivirale Nucleosid-Analoga zum Einsatz (z.B. Acyclovir, Handelsname Zovirax). Ebenso von großer Bedeutung bei der Bekämpfung einer viral verursachten Krankheit ist Sofosbuvir, ein Nucleotid-Analogon, mit dem erstmal Hepatitis C geheilt werden kann.
In der durch das SARS-CoV-2-Virus verursachten COVID-19-Pandemie ist Remdesivir erfolgreich eingesetzt worden, auch wenn die häufige Notwendigkeit es erst spät, d.h. bei schweren Verläufen, einzusetzen eine viel geringere Wirkung ergeben hat als nach den vorliegenden Daten für einen frühen oder erst recht prophylaktischen Einsatz zu erwarten gewesen wäre. In Europa weniger bekannt ist, dass ein Kernbasenanalogon, dessen Metabolismus zu einem Ribonucleotid-Inhibitor führt, ebenfalls aktiv gegen das SARS-CoV-2 ist und auch erfolgreich eingesetzt werden kann (Favipiravir, Handelsname Avigan). Dieses Präparat wird in Asien breit gegen das Virus eingesetzt und ist noch leichter rechtzeitig, d.h. vor Einsetzen von schweren Verläufen mit ihrer Immun-Überreaktion und anderen Komplikationen, verwendbar, da oral bioverfügbar und preiswert.
Literatur-Hinweise:
- doi:10.1126/scitranslmed.aal3653
- doi/10.1073/pnas.2014441117
- doi.org/10.1038/s41467-020-18463-z


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